Kapitel 12 Teil II Meine persönliche Vision

Wir brauchen Visionen…


… meine persönliche Vision

In der Begegnung der Mitte findet das Leben, findet Heilung statt


Integration ist eigentlich heutzutage ein Wort aus dem interkulturellen Bereich. Da ich lange Jahre dort ehrenamtlich gearbeitet hatte, habe ich diesen Begriff oft genug gehört und mir natürlich oft auch Gedanken darüber gemacht. Dabei geht es hauptsächlich um die „Eingliederung“ einer (aus unserer Sichtweise) fremden Kultur in die hierzulande existente Lebensweise, ohne dass diese aber ihre Identität und ihre Wurzeln verliert. Für viele Menschen heisst aber Integration(spolitik) Anpassung an die hier gegebenen Umstände und Verhaltensstrukturen sowie kultureller Besonderheiten. Dies ist jedoch in meinen Augen eine sehr einseitige Angelegenheit. Durch zahlreiche Kontakte und Gespräche habe ich gelernt, dass gerade der gleichberechtigte Austausch und vor allem die gemeinsame Kommunikation und Toleranz wahre und sinnvolle Integration ist. Denn beide Seiten müssen sich gleichermaßen annähern und sich möglichst ohne Vorurteile und Neid begegnen.

Nur aus Unwissenheit, Angst und Hilflosigkeit kann eine mögliche Abgrenzung entwachsen, und somit auch zwangsläufig sehr negative Gefühlszustände wie Hass oder Aggressionen. Wollen wir doch aber alle Frieden, oder nicht?

Wenn jemand schwer erkrankt, sind gerade Ängste und Hilflosigkeit die beherrschenden Gefühle. Daraus darf jedoch niemals Ausgrenzung geschehen, weder zu den Ärzten, noch zur eigenen Familie oder dem eigenen sozialen Umfeld, auch nicht unserer Gesellschaft gegenüber. Mut ist in solch einer Situation gefragt. Mut zu neuen Wegen. Neue Wege sind aber immer unbekannt und die ersten zaghaften Schritte sind sicher die Schwersten überhaupt. Sie zu beschreiten, erfordert darum viel mehr als „nur“ Mut. Doch was ist mächtiger als Mut? Kraft? Innere Stärke? Sich seiner Selbst bewusst sein? Vertrauen? Tapferkeit? Es sind sicher die Voraussetzungen, um das Gefühl des Mutes in sich erspüren zu können. Das Wichtigste ist jedoch die Verbundenheit mit der Energie, die uns umgibt, uns am Leben erhält und für uns da ist. Sind wir in Kontakt mit der Quelle des Lebens, erhalten wir einen unendlichen Reichtum an Mut.

Integration – im übertragenen Sinne also die Zusammenführung und Verbindung der verschiedenen Behandlungs- und Therapieformen und der Menschen, die mit der Krankheit zu tun haben –  ist meine ganz persönliche Vision eines „miteinander-mutig-heilens“. Darin schließe ich auch alle Therapieansätze mit ein, die relativ neu sind, das heisst Methoden, die erst jetzt (wieder) „entdeckt“ und erforscht worden sind. Aus diesem Grund habe ich in diesem Buch auch so viele Menschen zu Wort kommen lassen. Ich habe sie hier entsprechend meiner Vision zusammengeführt – zum einen die Therapeuten und Wegbegleiter selbst als auch die Dichter, Denker, Gelehrten und Philosophen mit ihren Texten, Gedanken und Gedichten.

Wenn alle(s) miteinander verbunden sind (ist), ist alles EINS.

Integration setzt jedoch Kommunikationsfähigkeit, Toleranz und die Bereitschaft, wirklich auf die Menschen zuzugehen und zuzuhören voraus. Kommunikation bezeichnet ja schon einen „gemeinsamen“ Faktor in seiner wörtlichen Bedeutung. Dafür müssen sich aber die Partner begegnen und sich die Hand reichen. Gegenseitig voneinander zu lernen und dadurch ein stabiles Netz herzustellen, in dem alle großen und kleinen Erdenbewohner ihren sicheren Platz finden, wäre ein erster Schritt in ein besseres und gesünderes Leben.

Mut brauchen also beide Seiten – der kranke Mensch und der therapierende Mensch.

Mut, aufeinander zuzugehen.

Mut, miteinander offen zu sprechen.

Mut, die inneren und äußeren Grenzen aufzubrechen.

Mut, um Toleranz und Respekt zu zeigen.

Mut, um Liebe fließen zu lassen.

Mut, miteinander zu heilen.

Ich wünsche mir, dass eines Tages zum Haupteingang einer Klinik all diese vorgestellten Therapiemöglichkeiten und Menschen als heilsame Energie hineinfließen und sich alle am Heilungsprozess Beteiligten in der Mitte begegnen.

Wenn diese Form der Integration gelingt, gibt es auch keine Grenzen mehr. Dann ist wirklich alles eins.

Eines Tages leben wir damit in einer friedvolleren und heileren Welt.

In der Begegnung der Mitte

Was ist im Leben schon normal?

Was ist ver-rückt, vielleicht nicht an seinem gewohnten Platz?

Sind wir alle normale Verrückte oder verrückte Normale?

Das Leben ist manchmal ziemlich normal und

es kann eben auch ziemlich verrückt sein.

Es hält sich prinzipiell nicht an Spielregeln.

Es lebt einfach  – mit uns.

Auf den Standpunkt kommt es an.

Sind wir auf der Sonnenseite des Lebens oder in seinem Schatten.

Die Frage ist, was wir sehen.

Glück, Erfolg und Gesundheit oder Elend, Sorgen und Krankheit?

All das ist normal und all das kann auch ver-rückt sein.

Denn wir haben immer von allem etwas.

Wie wir es betrachten, macht den Unterschied.

Denn es gibt immer zwei Seiten:

Kopf und Bauch. Nachdenken und Meditieren.

Sonne und Mond. Licht und Schatten.

Ebbe und Flut. Himmel und Erde.

Mars und Venus. Yin und Yang.

Linke und rechte Gehirnhälfte. Strukturiert und kreativ.

Lärm und Stille. Angst und Mut.

Loslassen und Empfangen. Gesundheit und Krankheit.

Mikrokosmos und Makrokosmos. Wissenschaft und Spiritualität.

Normal und verrückt.

Erst durch das Gegenstück erfahren wir

die Verbundenheit und den Sinn.

Aber in der Begegnung der Mitte

findet das Leben, findet Heilung statt.

© Birgit Matz

Abschließende Gedanken

Kennen Sie dieses Spiel, welches man gerne in einer größeren Gruppe macht: Man steht in einem großen Kreis und jeder hat ein Wollknäuel in der Hand. Den Anfang des Knäuels hält man gut fest und wirft nun beliebig die Wolle hin und her. Man tut dies so lange, bis ein Netz entsteht, natürlich ein möglichst dichtes Netz. Da ich schon immer überall die Kleinste und Leichteste war, hatte ich oft das Privileg, die Festigkeit des Netzes zu überprüfen, in dem ich mich als erste vorsichtig reinlegen durfte. Später durften es dann auch die Anderen…so lange, bis es kaputt ging.

Genauso fühlte ich mich in all der Zeit während der Krankheit meiner Tochter getragen. Denn ich kannte zum Glück viele gute Menschen, die mir mit Ratschlägen, Adressen, Therapieformen und vielem mehr weitergeholfen hatten.

Und so geht es weiter:

Kapitel 12 Visionen Eine außergewöhnliche Heilung

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Kapitel 12 Gute Orte – gute Menschen

Gute Orte – gute Menschen

Wir brauchen Orte zum Wohlfühlen und Krafttanken

Wenn es nur mehr schöne Orte auf dieser Welt gäbe! Richtig schöne Orte zum richtig Wohlfühlen. Wohlfühloasen. Damit meine ich aber nicht die modernen Freizeitbäder mit „Tropenfeeling“ und Cocktailbar.

Nein, ich meine zum Beispiel Orte in der freien Natur, die solch eine Kraft ausstrahlen, dass man am liebsten nicht mehr weg will. Haben Sie nicht auch ein Lieblingsplatz, der sie fast magisch anzieht, wenn Sie spazieren gehen? Oder eine Lieblingsbank unter einem Lieblingsbaum? Oder einen Lieblingsurlaubsort?

Diese Orte der Kraft sollten wir häufiger aufsuchen. Gerade wenn es uns schlecht geht und wir in Verbundenheit mit der Natur – mit der Sonne, dem Wind, dem Plätschern eines Baches, dem Rauschen des Meeres oder mit den Geräuschen einer Blumensommerwiese – wieder Energie gewinnen könnten.

Ich fühle mich nicht wohl, wenn ich nicht ein paar Mal in der Woche raus ins Grüne kann. Frische Luft, den Wechsel der Jahreszeiten spüren, den Geruch von herunter gefallenem Obst wahrnehmen oder sich an der Blütenpracht der Pflanzen erfreuen. Dann irgendwann und irgendwo inne halten, sich einen Platz suchen und über das Leben nachdenken. Während der „Hauptentstehungsphase“ dieses Buches habe ich das fast täglich gemacht. Es war Sommerzeit und meist schönes Wetter. Oft hatte ich gute Einfälle, beim nach Hause kommen waren sie wie weg geblasen. Aber am nächsten Tag gab es dann einen neuen Gedanken…

Es gibt für mich noch einen besonderen Lieblingsort: Der Platz vor der Frauenkirche in Dresden. Schon auf den Weg dahin bekomme ich Gänsehaut. Kurz bevor ich um die Ecke biege und dann vor ihr stehe, klopft mein Herz und ich stehe voller Ergriffenheit und Freude davor. Was für eine Energie dieser Platz und diese Kirche auf mich hat!

Ich komme gar nicht mehr los davon und würde am liebsten diese Energie in Plastiktütchen packen und mit nach Hause nehmen. So wie Muscheln, die man von einem Urlaub am Meer als Erinnerung sammelt und sich dann zu Hause im Alltag voller Freude daran zurückerinnern kann.

Oder Bäume… welche Kraft sie ausstrahlen und welche große Bedeutung sie für uns Menschen haben. Zeigen sie doch deutlich, dass das Leben eine einzige Transformation ist. Der Rückzug der Blätter in die Erde als Humus, der Rückzug der Nährstoffe in die Wurzeln – all das sind die Zeichen, dass erst mit der Reise in das Innere wieder Neues erstehen und wachsen kann.

Nun hat man nicht alle Tage Urlaub und wenn man für Monate in einer Klinik mehr oder weniger eingesperrt ist, dann sollte die „Energie“ doch zur Klinik kommen können! Wenn ich die Nase voll hatte und Sehnsucht nach frischer Luft, war ich mitten in der Großstadt unterwegs. So oft habe ich mir gewünscht, einen Ort in der Stadt zu finden, der mir Kraft gibt. Wo man sich wohl fühlen und Energie tanken kann. Auch ohne Natur.

Kennen Sie Ihren persönlichen Kraftort schon? Suchen Sie sich einen, ganz besonders, wenn es Ihnen schlecht geht. Wichtig ist, dass Sie sich dort rundum wohl fühlen und Energie mitnehmen können! Oder denken Sie sich in den allerschönsten Farben diesen Ort aus und träumen Sie sich für einige Zeit dahin! An schönen Orten und Plätzen findet man auch die Menschen, die man gerade braucht.

Wir brauchen Menschen – wir brauchen uns

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Er braucht die Beziehung.

Die Beziehung zur Erde, zu Mitmenschen und zum Himmel.

Gute Beziehungen. Wozu und wofür sollten wir sonst leben?

Dr. Klaus Mohr

Gute soziale Beziehungen und Bindungen sind eine bedeutende Grundvoraussetzung für ein glückliches und erfülltes Leben. Besonders während der Zeit einer schweren Lebenskrise beziehungsweise Krankheit macht sich dies mit einer Heilung fördernder Wirkung bemerkbar, ja sogar fühlbar. Dies können Freunde, Familienangehörige oder gute Bekannte sein. Aber auch Selbsthilfeorganisationen mit Betroffenen oder andere Therapeuten als das Behandlungsteam in der Klinik können zu diesem sicheren und gesunden Auffangnetz gehören. Wichtig ist, dass die Sorgen mitgetragen werden. Der katholische Priester Henri Nouwen schreibt in seinem Buch „Gebete aus der Stille“, dass Sorge nicht die Haltung des Starken gegenüber dem Schwachen ist, sondern ausschließlich zwischen Gleichgestellten stattfindet.

Natürlich sind bei einem kranken Menschen und einem nahe stehenden Freund die Rollen erst einmal klar verteilt – weil es nach außen so auf den ersten Blick sichtbar ist. Aber in Wahrheit kann es auch  anders herum sein: Der Begleiter ist schwach und lernt am Ende von dem kranken Freund. So ist das Gleichgewicht wieder hergestellt. Dies ist wirklich meine persönliche Erfahrung, die sich nicht nur in der Zeit der Therapie mit meiner Tochter so kristallisiert hatte.

Nochmals zu Henri Nouwen. Er schreibt das Folgende über bedeutsame Freunde:

„…wenn wir uns die ehrliche Frage stellen, welche Menschen uns in unserem Leben am meisten bedeuten, und feststellen, dass es diejenigen sind, die, anstatt uns Ratschläge, mögliche Lösungen oder Heilung zu bringen, beschlossen haben, unsere Schmerzen mit uns zu teilen und zart und sanft ihre Hand auf unsere Wunden zu legen. Der Freund, der in einem Augenblick der Verzweiflung und Verwirrung mit uns zusammen schweigen kann, der mit uns in einer Stunde des Kummers und der Verlassenheit ausharren kann, der es ertragen kann, nicht wissen, nicht heilen, nicht wiedergutmachen zu können, und der es erträgt, sich mit uns der Realität unserer Machtlosigkeit zu stellen, dieser Freund sorgt sich wahrhaft um uns…“.

Bei der Nachricht einer schweren Erkrankung ist das wie bei einem Stein, der ins Wasser fällt und seine Kreise zieht. Das Betroffensein geht über den kranken Menschen und seiner Familie weit hinaus. Es betrifft tatsächlich mehr Menschen als man denkt. Es hat vielleicht auch seinen Sinn, dass es mehr Menschen betrifft. Sie kommen dadurch womöglich in einen Lernprozess und erfahren neue Sichtweisen.

Was unterscheidet einen Krebspatienten von einem gesunden Menschen? Das Aussehen? Die nach außen sichtbar gewordenen Erkrankung, die einem Stempel gleicht. Meiner Ansicht nach gibt es keinen Unterschied, denn wir sind alle trotzdem M e n s c h e n und als solche lebendig. So zu sagen zu hundert Prozent am Leben. Der Patient und die Angehörigen erleben jedoch eine andere Realität. Man spürte manchmal förmlich das „getrennt sein“ von der normalen Welt „draußen“. Dabei wäre es so gut, wenn die Welt zu den hilfsbedürftigen, schwachen und kranken Menschen käme.

Darum brauchen wir uns – alle.

Wir brauchen Zuwendung

Die menschliche Fürsorge und Zuwendung wird immer stärker an Bedeutung gewinnen, vielleicht sogar in nicht allzu ferner Zukunft ein wichtiger Maßstab für die Behandlung und Therapie von Menschen sein.

Durch das persönliche Gespräch, das den gegenübersitzenden Partner wirklich ernst nimmt, ihm zuhört und vielleicht auch mal in die Arme nimmt und tröstet, kann heilsame Energie fließen.

Wenn man sich zuwendet, hinwendet, dann schaut man richtig hin und erkennt vieles genauer. In dem Wort Zuwendung steckt auch Wendung, somit Änderung. Durch die Zuwendung soll sich etwas ändern – in die hoffentlich richtige Richtung.

Als ich während der Therapiezeit den ersten Besuch beim unserem  „Engeldoktor“ hatte, spürte ich diese Form der Zuwendung in sehr großem Maße. Ich fühlte mich geborgen und konnte meinen Gefühlen endlich freien Lauf lassen. Das Aufgefangen werden gab mir wieder Kraft, den Alltag und die Situation angemessen zu bewältigen.

Oftmals verspürte ich den Wunsch, Mütter in die Arme zu nehmen und Trost zu spenden. Man hält in der Not zusammen und man wächst zusammen. Man tauscht sich aus, lädt manchmal auch seinen Frust ab und holt sich Gewissheit, dass hoffentlich alles gut wird. Leider oft auch nicht.

Es gab oft Momente, in denen ich hilflosen Müttern gerne diese Form der Zuwendung geschenkt hätte, aber ich war dazu nicht in der Lage, denn eine Flut von Tränen und die eigene Hilflosigkeit wären in solchen Situationen bei mir zum Ausbruch gekommen. Zwei heulende, sich umarmende Mütter in der Küche oder im Flur der Station – was sollen da die anderen denken? Man bekommt doch alles mit, jeder hat überall Zugang, und man kann sich nicht zurückziehen und Mensch sein. Nachts in seinem Klappbettchen vielleicht – aber da ist man alleine mit sich und seinen Gedanken, die sowieso den Schlaf rauben.

Man reißt sich ja förmlich zusammen, am Riemen sozusagen. Man möchte seine Würde nicht verlieren und nach außen hin Stärke und Kraft zeigen. Sicher hat dieses Verhalten eine eigene Dynamik und verhilft den Menschen, dies alles durchzustehen.

Wichtig ist das Gefühl, mit seinen Schmerzen und Ängsten nicht alleine gelassen zu werden. Mitwisser und Mitfühlende zur Seite zu haben. Zuwendung kann auch nur durch Gedanken geschehen. Man erfährt von einer Notfallsituation und die Gedanken gehen zu der Familie und sendet so seine persönliche Zuwendung. Andere Menschen erfuhren von unserer Situation und waren stets in und mit ihren Gedanken dabei.

Es ist möglich, dass dadurch die göttliche Energie in den Menschen keimt und seine heilsame Wirkung erzielt.

Lassen wir die berührende und gedankliche Zuwendung als therapeutisches Mittel zu!

Hallo mein Schutzengel!

Habe ich mich eigentlich schon richtig für Deine Zuwendung bedankt? Für alle die Zeit und Geduld, die Du für mich aufgebracht hast? Du warst für mich immer erreichbar (und Du wirst dies natürlich auch weiterhin sein!), egal zu welcher Uhrzeit, bei Tag und bei Nacht. Jeden Kummer, jede Sorge, all meine Ängste hast Du so geduldig ertragen und mir mit großen Ohren zugehört. Auf Deinen Rat konnte ich mich verlassen und Du hast mich mit Deiner starken Hand sicher durch diese schwere Zeit geführt. Diese Hand konnte ich immerzu an meinem Rücken verspüren – sie gab mir solch eine Kraft. Das Wort der Dankbarkeit würde gar nicht ausreichen, um das zu beschreiben, was ich in mir fühle. Verbundenheit, Liebe, Mitgefühl, Fürsorge, Nähe – Zuwendung.

Danke!

Und so geht es weiter:

Kapitel 12 Gute Orte – Gute Menschen Eine außergewöhnliche Heilung

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Kapitel 11 Die Kunst des Lebens und des Heilens

Kapitel 11

Die Kunst des Lebens & des Heilens

Sonnenaufgänge
Das Leben in der Gegenwart
Die Kunst des Heilens mit der Kraft der Liebe
Die Kunst des Räucherns
Die Kunst der richtigen Ernährung
Meine ganz persönliche „Lebenskunst“

*

Leicht zu leben
Ohne Leichtsinn,
heiter zu sein
ohne Ausgelassenheit,
Mut zu haben
ohne Übermut –
Das ist die Kunst des Lebens.
Theodor Fontane

Sonnenaufgänge

Das Leben hat so viele Nuancen, seine Sonnen – und Schattenseiten – und all das gehört dazu. Den unschätzbaren Wert der Gesundheit merkt man oft erst, wenn man krank ist. Den Wert zwischenmenschlicher Beziehungen schätzt man dann, wenn etwas in die Brüche gegangen ist. Wenn uns der Mut verlässt, dann spüren wir eine Ohnmacht und Schwäche in uns. Und wenn alles zu viel wird und über uns hereinbricht, dann fällt das Leben so verdammt schwer.

Wie kann man aber leicht leben, wenn sich Sorgen und Ängste breit machen?

Wie kann man glücklich und fröhlich sein, wenn es ständig Anlass zu Trauer gibt?

Wie kann man mutig sein, wenn man überhaupt keine Kraft mehr hat?

Sonnenaufgänge
Mit jedem Aufgang unserer Lebens spendenden Energiekugel
geht auch wieder ein neuer Tag in uns auf.
Ein Tag mit einer Mischung aus
Orange, honigmelonengelb, aprikosenrot und himbeerrosa.
Ein einziges strahlendes Leuchten, das uns erfüllt.
Sonnengelbe Sonnentage.
Manchmal gibt es Tage,
als ob die Sonne vergessen hätte, für uns und in uns aufzugehen.
Der Himmel holt aus seinem Farbkasten
grau-blau-schwarz und weint dicke Tränen aus seinen Wolken.
Traurige Regentage.
Wenn Regentropfen und Sonnenstrahlen
aufeinander treffen,
erblicken wir die sieben Farben des Lebens.
Einen Regenbogen,
der ein Leuchten auf jedes Gesicht zaubert.
Die Sonne aber geht unaufhörlich und unermüdlich 
Tag für Tag auf - für uns.
Damit wir auch an den dunklen Tagen
das satte Orange-gelb-rot-rosa als
energiereiche Schwingung in uns spüren.
Damit wir die Hoffnung niemals verlieren.
© Birgit Matz

Das Leben ist wahrlich eine Kunst. Dieses Können ist uns leider nicht angeboren. Wir müssen es uns selbst aneignen – eben im Laufe unseres hoffentlich langen Lebens. Dies sind oftmals sehr schmerzhafte Prozesse, die wir durchlaufen müssen. Am Ende aber hat sich vielleicht etwas Neues in uns entwickelt und wir gehen gestärkt aus solch einer Situation heraus. Denn die Nächste wartet bestimmt schon an der nächsten Wegkreuzung auf uns…

Letztlich müssen wir leben, so hart es klingt. Wir sollen, dürfen -  und können leben. Wie man es nimmt. Wie man es sieht.

Auf die Qualität kommt es dabei auch an. Auf die Intensität und die eigene Wahrnehmung.

Auch ein Leben mit Krebs kann intensiv und schön erlebt werden. Vielleicht gerade durch eine veränderte Situation, die auf einmal ganz andere Maßstäbe setzt, entdecken wir auf einmal Freude und Glück an den kleinen Dingen des Lebens, die in Wirklichkeit dann ganz groß sind. Ein Lächeln kann oft Wunder bewirken. Ein Händedruck kann Kraft geben, ein Gespräch kann Hoffnung bringen und auch Tränen können auf einmal etwas auflösen.

Diese Erlebnisse passieren grundsätzlich immer im Moment und sind niemals plan- oder vorhersehbar.

Das Leben in der Gegenwart

Im Jetzt und Heute leben. Dazu wird man in einer Grenzsituation wie eine schwere Erkrankung automatisch gezwungen. Es scheint, als habe der Kalender nun eine andere Verteilung der Wochentage und Monate. In Anbetracht der Behandlungszeit, die vor kranken Menschen liegt, hat ja Zeit eine völlig andere Bedeutung. Solch ein Zeitabschnitt liegt wie ein unbezwingbarer Berg vor den Betroffenen. Man mag sich diesen langen Lebensabschnitt gar nicht vorstellen – nicht einmal ansatzweise. Man ist damit schlicht und ergreifend überfordert. So bastelt man sich als Haltegriff kleine Zeitabschnitte mit einzelnen Etappenzielen. Stück für Stück wird dann der Berg abgetragen bis zum hoffentlich guten Ende.

In den ersten Tagen auf der Station hat eine ganz liebe und erfahrene Schwester meiner Zimmernachbarin (die vor Kummer und Sorgen bitterlich weinte) und mir einen kleinen „Vortrag“ gehalten, wie wir mit der Situation „krebskrankes Kind“ umgehen sollten: „Bitte immer nur den nächsten Schritt sehen, den allernächsten Schritt. Den heutigen Tag und vielleicht noch den nächsten Tag. Die heutige Untersuchung. Die morgige Chemo. Wieder nach Hause gehen dürfen. So geht man Schritt für Schritt durch diese Phase und erreicht irgendwann man mal ein Ziel und ein Ende, egal welches.“

Es ist schon komisch, dass ausgerechnet die Erinnerung an die ersten Tage nach der Diagnose am einprägsamsten ist, aber es liegt sicherlich daran, dass eben so ein großer Einschnitt in das Leben seine Spuren „in der Tiefe“ hinterlässt. Und sehr tiefe Empfindungen sind auch immer „echte“ Gefühle – und eben auch heftige! Das lässt sich natürlich auch auf eine Situation übertragen, in der wir überaus glücklich sind und die ganze Welt umarmen könnten. Auch das sind heftige und intensive Gefühle, die umso ehrlicher und wahrhaftiger sind.

Der Augenblick wird wichtig. Sobald es schöne Momente gibt – und die sind durchaus auch vorhanden – schöpft man unheimlich viel Energie daraus. Man saugt sie förmlich ein und lebt dadurch auch viel intensiver. Somit ist diese Intensität in einer Zeit der Sorge auch eine Form und Kunst des Lebens.

Lassen Sie uns einen „Ausflug“ in das „alte China“ machen…

Das Tao oder besser die chinesische Lehre des Taoismus ist eine Lebensphilosophie und Form der Lebenskunst „aus alter Zeit“ um ungefähr 400 v. Chr. (und gleichzeitig so „zeitlos“ und aktuell), wie sie Theo Fischer in seinen beiden Büchern [1] sehr gut beschreibt. Einige Aspekte daraus möchte ich in Zusammenhang zu den eigenen Erlebnissen in meiner Grenzsituation schildern:

Im Tao hat der Mensch ein unkompliziertes Verhältnis zu seinen Gefühlen. Er lässt ihnen ungehindert seinen Lauf, ohne sie zu unterdrücken oder sich ihrer zu schämen. Gefühle sind auch nicht das Gegenteil oder Gegenstück von etwas anderem. Der Mensch des Tao erlebt Gefühle auf direktem Wege, unmittelbar und nicht interpretativ. Je intensiver Gefühle durchlebt werden, desto mehr Kraft entwächst daraus.

Dies kann ich nur bestätigen. Die Kraft wird umso stärker, je tiefer man selbst von seinen eigenen Gefühlen berührt wird.

Die Intuition spielt auch eine bedeutende Rolle. Interessant ist doch der Aspekt, dass fast jeder von uns in einer mehr oder weniger extremen Notsituation intuitiv und automatisch völlig richtig gehandelt hat. Weil nämlich keine Zeit zum Nachdenken blieb. Das heisst, wir können auch richtige Entscheidungen treffen, wenn Wissen und Verstand „ausgeschaltet“ sind. „Aus dem Bauch heraus“ zu handeln sollten wir uns alle wieder viel mehr trauen.

Auch das ist Tao –  die Kunst des Loslassens und des Nichts-tun…

Wie einfach wäre es, in der Not seine Sorgen und Ängste loszulassen! Das ist eigentlich unmöglich. Das Gegenteil ist der Fall – man möchte sein Glück herbeizwingen. Das blöde Fieber soll endlich verschwinden, weil man wieder gerne in seinem eigenen Bett schlafen möchte. Der Husten soll endlich besser werden, weil man keine Lust hat, wieder einige Tage in der Klinik mit Antibiotika verbringen zu müssen. Das Blutbild soll endlich entsprechende Werte aufzeigen, damit man die nächste Chemo anfangen kann.

Einmal gingen wir mit Sack und Pack zur geplanten Chemo in die Klinik, alles war gut durchorganisiert. Tja – da war das Blutbild leider so schlecht, dass wir nach einer Stunde wieder heimgehen durften. Also, alles wieder umgeworfen und sich auf einen anderen Tag einstellen müssen. Man ist irgendwie machtlos und kann nichts ändern, aber innerlich schreit es danach, auch mal etwas eigenständig in der Hand zu haben und gestalten zu können! Dann den Ärger einfach loszulassen und wieder nach vorne blicken, ist ziemlich schwierig. Zu viele Gefühle und Gedanken machen da einen Strich durch die gut kalkulierte Rechnung.

Dabei ginge doch so vieles leichter, wenn man das ständige Nachdenken und Grübeln auch etwas „loslassen“ würde. In diesem Moment des „Nicht-Denkens“ kommen dann plötzlich die besten Einfälle und Lösungen. Die Kraft liegt immer in einem selbst!

Die Kunst des Heilens…

Es ist ein Segen, dass für die Erforschung neuer Diagnosemöglichkeiten, Medikamente, Wirkstoffe, Therapiemethoden sowie für all die umfangreichen und groß angelegten Studien unglaublich viele Finanzmittel und Fachleute bereitgestellt werden. Die Forschungen auf den verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten erfordern eine hohe Kunstfertigkeit, die Menschen sind fachlich zum Teil hoch qualifiziert und ausgebildet.

Ich frage mich, ob über die Auswirkung von Liebe und Zuwendung auf den Heilungsprozess auch so aufwändig und umfassend erforscht wird? Glücklicherweise sind diese Eigenschaften umsonst zu haben, aber da unsere Gesellschaft nur das glaubt, was sie auch sehen und anfassen kann, werden immens wichtige Einflussfaktoren auf die Genesung eines kranken Menschen vielleicht für immer ein „wunderbares“ Geheimnis bleiben.

Es sind nicht die Ärzte und seine Methoden alleine, die heilen. Der Patient heilt mit. Es ist somit ein partnerschaftliches Heilen. Der Arzt sollte den Patienten auf dem Weg zur Selbstverantwortung begleiten – und der Patient sollte aus der Rolle der Unselbständigkeit und Abhängigkeit heraus kommen und die Verantwortung mittragen.

Der Dalai Lama benennt die Fähigkeiten, die ein guter Arzt bzw. Betreuer haben sollte, als die Folgenden: Humanität, Einfühlungsvermögen, Mitgefühl, liebendes Mitleiden, Lächeln – und einfach Liebe!

So möchte ich gerne aus dem Schlusskapitel des in Kapitel drei genannten Buches zitieren: „So denke ich also, das menschliche Wesen beruht weitgehend auf Zuneigung und Liebe…Vieles in der Welt von heute – die Entwicklung der globalen Wirtschaft, die Umweltzerstörung, die Bevölkerungsexplosion – ermahnt uns mit großem Nachdruck, bessere Menschen zu werden und eine noch engere Zusammenarbeit anzustreben…Was immer wir tun, tun wir nicht für Gott, nicht für Buddha, nicht für einen anderen Stern, sondern für unseren eigenen Planeten, auf dem wir leben. Es liegt in unserem eigenen Interesse. Diese Perspektive sollten wir immer im Blick behalten…. Auch die Medizin, die Wissenschaft, die Religion, sie alle sind wertlos, sogar zerstörerisch ohne die Anbindung an unsere Menschlichkeit. All diese Tätigkeiten müssen als, sage ich, mit unserem menschlichen Grundgefühl der Liebe verbunden werden. Erst dann können sie gedeihlich wirken.“

Und so geht es weiter:

Kapitel 11 Die Kunst des Lebens und des Heilens Eine außergewöhnliche Heilung


[1] Theo Fischer „WU WEI. Die Lebenskunst des Tao“ sowie  „Lass Dich vom Tao leben“

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Kapitel 10 Faszination Schwingung

10

Faszination Schwingung

Faszination Klangtherapie mit Stimmgabeln


Musik, Rhythmus, Gesang, Herzschlag, unser Leben – alles ist Schwingung. Standen Sie schon einmal direkt neben einem großen Gong und spürten am ganzen Körper die Vibrationen? Oder erinnern Sie sich noch an die Discozeiten, wo man beim Tanzen den Bassrhythmus besonders gut gespürt hat und nach drei Stunden fast taub auf den Ohren war (was natürlich nicht zu empfehlen ist)? Mit Musik kann man in Schwung oder sogar in  Ekstase kommen, kann jedoch auch seine Sinne beruhigen und heilende Prozesse in Gang setzen.

Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, ohne Musik zu leben. Musik zu hören oder noch besser – Musik selbst zu machen. Denn „selbst gemachte“ Musik, zum Beispiel durch Singen hat tatsächlich gesundheitsfördernde Wirkungen. Es wurde in einigen Studien sogar schon nachgewiesen, dass bei aktiven Sängern mehr immunsteigernde Blutzellen im Serum nachgewiesen werden können als bei den passiven Zuhörern. Denn der Körper „schwingt“ anders beim Singen.

Warum singen kranke Menschen nicht einfach? Weil Ihnen die Lust und Freude am Singen beim Gedanken an die Krankheit vergeht? Das kann ich irgendwie zwar auch verstehen – aber vielleicht kann man die Patienten (und ihre Angehörige) trotzdem dazu motivieren und Gesangsstunden als Rezept verordnen, auch für die vermeintlich Unmusikalischen.

Während des Hausunterrichts hatte meine Tochter auch immer gesungen – dabei hatte sie ein Lieblingslied. Es war immer so schön, sie singen zu hören. Zusätzlich fing die Lehrerin mit Klavierunterricht an. Es war einfach wohltuend für sie – und auch für mich. Eine klangvolle Form der Heilung und Verarbeitung der zugeführten Wunden…

Lebendige Schwingungen

Alles Leben ist Bewegung,

auch unsere Zellen sind nicht tote, statische Materie, sondern lebendig,

schwingend in dauernder Veränderung.

Jede gesunde Zelle schwingt in einem harmonischen Rhythmus.

Zusammen mit all den anderen Zellen bildet sie einriesiges Orchester, das die Symphonie unseres Lebens spielt.

Anna Elisabeth Röcker

Musik hat Heilkraft.

Es gibt Therapieformen, die bewusst mit den verschiedenen Schwingungen im feinstofflichen Bereich des menschlichen Körpers arbeiten. Denn der Mensch ist Musik.

Mit den Füssen hören. Das können Sie auch. Sie glauben mir nicht? Wenn wir etwas mit unseren Ohren hören, dann ist das Schwingung. Wenn wir mit den Füssen hören, dann ist dies nichts anderes als – Schwingung.  Halten Sie einmal eine angestimmte Stimmgabel mit dem Haltegriff an Ihren Fußzeh. Was spüren Sie – nein, hören Sie? Ihr Körper hört mit seinen Knochen die Schwingung. Dabei kribbelt es mächtig an dieser Stelle.

In der Heilpraxis für Seelen- und Bewusstseinsarbeit kann man diese Erfahrung auf ganz wunderbare Weise machen. Meine Tochter hat einige Monate nach Beendigung der Intensivtherapie mit dieser Klangtherapie angefangen. Zu dieser Zeit bekam sie ja immer noch täglich chemotherapeutische Medikamente, die fortwährend im Körper verstoffwechselt werden mussten. Ihre eigene Sensibilität, ihre Offenheit und Musikalität halfen bei dieser Form der Therapie besonders gut. Die Therapeutin, Monika Brucker berichtet nun über ihre klangvolle Arbeit, indem sie mir hierfür ausgewählte Fragen beantwortet hatte.

Fragen an Monika Brucker zur Klangtherapie mit Stimmgabeln

„Stimmig werden mit unserem ureigenen Klang“

Therapeutisches Arbeiten mit Stimmgabeln ist ja in Deutschland noch recht unbekannt – was hat diese Arbeit für einen Ursprung und Hintergrund?

Ja, Heilarbeit mit Stimmgabeln ist tatsächlich noch nicht sehr verbreitet bei uns – und es gibt auch ganz unterschiedliche Methoden und Zugänge, die Stimm- und Klanggabeln einzusetzen. Zum Beispiel arbeiten manche Therapeuten vor allem auf der Grundlage der Meridianlehre der chinesischen Medizin und benutzen für die Akupunkturpunkte Stimmgabeln mit den Frequenzen der Planeten.

Die Art und Weise, wie ich mit den Stimmgabeln arbeite, basiert auf dem reichen Erfahrungsschatz und dem großen Wissen des englischen Heilers und spirituellen Lehrers Peter Goldman. Weit über 20  Jahren forschte er auf dem Gebiet der Energiearbeit  und entwickelte nach und nach eine ganz eigene Art der Klangtherapie.

Er lehrt seine Klangarbeit heute weltweit und webt mit all uns anderen Klangarbeitern auf seine ganz lichtvolle Weise daran mit, das Bewusstsein der Menschen zu öffnen und zu erweitern.

Welche Frequenzen werden in dieser Therapie eingesetzt?

Wir arbeiten vor allem mit den sieben Klängen der diatonischen Oktave von dem Ton C bis H, mit Stimmgabeln aus Stahl und mit zwei Stimmgabeln aus Aluminium, die im Quintsprung C und G gestimmt sind – der „heiligen Quinte“. Zur Übertragung der Schwingung werden die Stimmgabeln entweder direkt auf Knochen und Gelenke aufgesetzt oder im Energiefeld des Körpers angewendet.

Die Idee der Arbeit ist, den Menschen auf seinem Entwicklungsweg zu begleiten und ihn zu seiner eigenen Quelle zu führen.

Im Zentrum der Arbeit stehen also nicht die vielfältigen Erkrankungen als letztendlich sichtbares, oftmals quälendes Erscheinungsbild, sondern der Mensch in seiner Ganzheit als Körper-Seele-Geist-Einheit.

Was kann nun mit den Schwingungen der Stimmgabeln bewirkt werden?

Alle Dinge sind ihrem Wesen nach Schwingung – das wissen wir heute  – denn die neuere Physik hat uns diesbezüglich  weitschauende Erkenntnisse geliefert.

Klänge sind  hörbare Schwingungen –  wir können sie sogar in exakten Hertzzahlen messen.

Auch wir selbst sind schwingende, klingende Wesen, die unentwegt Frequenzen aussenden, wenn auch für unser Ohr nicht hörbar und für unsere Augen nicht sichtbar – doch gibt es heute schon viele Geräte, die es sichtbar machen können.

Und so wie ein Musikinstrument auf seine Umgebung reagiert und sich immer wieder verstimmt, so verstimmen auch wir uns aus ganz vielerlei Gründen immer wieder durch disharmonischen Frequenzen – seien dies stoffliche (z.B. Gifte), feinstoffliche (z.B. heftige, verstrickende Emotionen) oder mentale (z.B. Sorgen und Ängste). So entstehen Disharmonien in uns, die ins Ungleichgewicht, zur Verstimmung der Körpersysteme und zur Verschlackung der Zellen führen können. Die Zellen reagieren mit Starre, sie können nicht mehr frei schwingen und unbehindert untereinander kommunizieren.

Sind wir über eine längere Zeit physisch oder psychisch blockiert, wird der Körper anfällig für Krankheiten und gleichzeitig werden wir auch unflexibel und enger im Denken und Handeln.

Was wir deshalb mit den Stimmgabeln tun können, ist den physischen Körper und auch die feinstofflichen Energiekörper wieder neu zu „stimmen“  und in „Ein-Klang“  miteinander zu bringen.

Dazu lösen wir all die vielen Erfahrungen, die sich stofflich und feinstofflich in den Körpern – dem physischen  und  den feinstofflichen -  als Blockaden eingerichtet haben, auf.

Der allererste Schritt im konkreten Tun ist zunächst die statische Energie, die sich ständig um den Körper herum ansammelt, mit dem harmonischen Klang zu beseitigen.

Dadurch  unterstützen wir die ganz natürlichen Reinigungs- und Regenerationsfähigkeiten  des Körpers und schaffen so eine erste Grundlage für Vitalität und Freude. Dann können wir immer über die Resonanzfähigkeit des Körpers erspüren, hören, fühlen, welche Chakren, Organe, Gelenke, Systeme energisch unterversorgt oder blockiert sind. Mit Hilfe einer oder mehrerer Stimmgabeln, die wir  entweder feinstofflich anwenden, oder auch direkt auf die Knochen, Gelenke aufsetzen, stellen wir den Energiefluss wieder her.  Fließt Energie, fließen Informationen und so kann der Körper wieder sein inneres und äußeres Gleichgewicht finden.

Wir wissen heute, optimale Gesundheit könnte möglich werden, wenn die Körpersysteme mit Unterstützung der übergeordneten Steuerungszentren ungehindert Informationen austauschen können.  Die Grundlage dazu, dass die Zellen untereinander kommunizieren können, schafft unser elektromagnetisches Feld, u.a. auch die Chakren und die Energiebahnen, die sich ständig mit kosmischer Energie aufladen möchten.

Kann die kosmische Energie frei fließen, ändert sich allmählich die Körperchemie und wir sind vital, gesund und ausgeglichen.

Deshalb ist die Absicht in dieser Arbeit mit den Stimmgabeln immer die optimale Voraussetzung zu schaffen, damit Energie sich bewegen und fließen kann.

Dabei folgen wir nicht irgendeinem Konzept und manipulieren auch nicht mit bestimmten Vorstellungen, wie etwas zu sein hat, sondern wir schaffen einfach eine Grundlage, damit sich das erfüllen kann, was geschehen möchte. Das heisst auch, dass wir die feinstofflichen  Körper so vorbereiten und unterstützen, dass die höheren Informationen aus der Seelenebene einfließen können. Auf diese Weise werden im ganz konkreten alltäglichen Leben wieder neue, selbstverantwortliche Schritte möglich.

Insgesamt schaffen wir also nur Bedingungen, damit Veränderungen geschehen können – welche Veränderungen das im Einzelfall sein werden, können und wollen wir wie gesagt nicht steuern – das überlassen wir dem „persönlichen Dirigenten“ des Menschen.

Blumen wachsen auch von alleine, sie brauchen nur die richtigen Bedingungen, damit sie sich voll entfalten blühen und duften können.

Und so geht es weiter:

Kapitel 10 Faszination Schwingung – Eine außergewöhnliche Heilung

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Kapitel 9: Endspurt

9

Endspurt

Kraft des Guten, das sich durch alles,

was ich getan habe, angesammelt hat.

Möge die Qual jedes Lebewesens vollständig abgewendet werden.

Möge ich Arzt und Medizin sein und möge ich Pfleger sein

für alle kranken Wesen auf der Welt,

bis es allen wohl ergeht.

Auszug aus einem Gedicht des buddhistischen Dichters Shantideva, 8. Jahrhundert

Von wegen Spurt

Am Ende, wo Geduld und Kraft langsam und kontinuierlich nachgelassen hatten, hieß es nochmals, ganz viel Ruhe und Nerven zu bewahren. Wir alle konnten natürlich den Abschluss der intensiven Chemotherapie kaum erwarten. Man zählte die Tage, manchmal auch die Stunden. Man machte Pläne für die Zukunft, wenn das „normale“ Leben wieder losgehen würde.

Voller Optimismus starteten wir also in die letzte Phase – die so genannte „Reinduktion“. Die ähnlichen Mittel wie zu Anfang der Therapie wurden zum Abschluss nochmals gegeben. Allerdings in etwas abgeschwächter Form, je nach Risikogruppe.

Besondere Sorge bereitete mir das Cortison. Eine kleine, harmlose Tablette – über 20 Tage eingenommen, dann langsam wieder in der Dosis reduziert. Mit jedem Tag der Einnahme wurde die hormonelle Veränderung spürbarer und auch sichtbarer. Der bekannte Heißhunger auf Salziges und Knackiges. Dieses ohnmächtige Gefühl, seinen eigenen Körper nicht ausstehen zu können und unzufrieden zu sein, kommt zum Ausdruck. Meine Kleine fühlte sich nicht wohl in ihrer Haut und sie verstand überhaupt nicht, warum nochmals diese Chemo zugeführt werden musste. Sie fühlte sich gesund und wenn man die Ergebnisse der Knochenmarkspunktion anschaut, dann ist sie eigentlich auch „gesund“. Nicht eine Zelle unter dem Mikroskop zu finden, die da nichts zu suchen oder eine Existenzberechtigung hätte. Aber es musste sein.

Gut gelaunt legten wir los – doch der Optimismus blieb uns bald im Hals stecken – für meine Tochter im wahrsten Sinne des Wortes. Eine bestimmte Chemo hatte ihr durch einen allergischen Schock regelrecht den Hals zugeschnürt.

Wir hatten einmal im Sommer mit einem kleinen Mädchen mit derselben Leukämieform das Zimmer auf der Station geteilt. Ungefähr vier Wochen, bevor bei uns die neue Phase startete, trafen wir die Familie wieder. Sie waren im Behandlungsprotokoll schon weiter fortgeschritten. In aller Ausführlichkeit erzählte mir die sympathische Mutter  – mit allen Details und allem, was wichtig ist – wie ihre Tochter von diesem Mittel einen allergischen Schock bekommen hatte. Man spielt mit den Kindern sozusagen „Russisch Roulette“. 50 Prozent bekommen keine Schockreaktion, 50 Prozent haben leider das Pech! Natürlich ist das Behandlungsteam darauf vorbereitet und steht mit einem Meter Abstand sowie mit aufgezogener Cortisonspitze neben dem Bett – das Auge wachsam und die Muskeln des Körpers in Alarmbereitschaft. Das kleine Mädchen hatte natürlich die schlechteren Karten gezogen – die Schilderungen in Einzelheiten ließ meinen Puls in die Höhe schnellen und verdarben mir gründlich den Appetit. Mal wieder.

„Super“ Nachrichten! Drei Nächte lang konnte ich nicht richtig schlafen. So hatte ich mir die letzten Wochen des Endspurts nicht vorgestellt. Aber was blieb uns anderes übrig? Hoffen und beten. Wir müssen auch da durch!

Ein Schock nach dem anderen

Schließlich kam der besagte Tag.

Meine Kleine war so gut gelaunt. Am frühen Morgen standen eine kurze Narkose und die allerletzte Knochenmarkspunktion an. Ein Grund zum Feiern – die letzte Punktion! Dann noch zwei Mittel und ab nach Hause – dachte ich so.

Sie saß im Bett, nachdem sie sich von der Narkose gut erholt und wieder etwas gegessen hatte. Wir spielten UNO – ihr absolutes Lieblingsspiel. Ich sah zu, wie die Chemo angehängt wurde (der Name der Chemo lautete „Asparaginase“ – dieses Wort erinnert mich immer an Spargel. Ich habe seitdem keine Lust mehr auf Spargel!). Ich lenkte sie und mich mit dem Kartenspiel davon ab. Nach nicht einmal zehn Sekunden ließ sie die Karten aus der Hand fallen und fasste sich an den Hals. „Mama…“! Der Kopf lief leicht blau an, sie sackte auf ihr Kopfkissen zurück. Sofort wurden „Cortison“ und „Fenistil“ gespritzt und die Sauerstoffmaske angelegt. Ich stand neben ihr und war nicht in der Lage, ihr bei zu stehen. Verzweifelt suchte ich Halt bei den Schwestern. Eine kümmerte sich natürlich um sie, eine andere kümmerte sich dann um mich. Ich wollte doch so tapfer sein! Ich versuchte, nicht zu weinen und meine Wut und Verzweiflung zu zeigen. Ich blieb an ihrem Bett sitzen und streichelte sie. Eine Hand streichelte und beruhigte mich ganz zaghaft. Danke!

Die Ärzte und Schwestern in der Onkologie sehen das wöchentlich mindestens ein Mal. Routine also. Aber die Gefühle und Ängste sind jedes Mal neu und frisch. Sie sind keine Routine. Sie dürfen auch keine Routine werden.

Nach einem weiteren Mittel erholte sie sich rasch. Ich durfte mich keinen Millimeter vom Bett wegbewegen. Nicht einmal aufs Klo, geschweige denn essen. Aber ich hatte sowieso keinen Hunger mehr! Eigentlich werden die Kinder durch die Mittel müde – sie war nach und nach wieder putzmunter, stand auf und spazierte herum. Als ob nichts gewesen wäre. Was für eine unglaubliche Energie!

Natürlich war etwas gewesen. Ihre Seele hat das noch lange nicht überstanden. Aber dafür gibt es kein Mittelchen, was man so einfach spritzen kann. Dieser Schock und das Erlebte sind für immer in ihrem Gedächtnis gespeichert.

Nach jedem schmerzhaften Eingriff oder einer Spritze erhalten die Kinder ein kleines Geschenk aus einer „Schatzkiste“. Fleißige Spender sorgen für regelmäßigen Nachschub. Natürlich hat sie auch dieses Mal etwas raussuchen dürfen.

Warum gibt es nur in dieser Schatzkiste keine „Seelenmittelchen“? Oder kleine Zettelchen mit Wünschen, die dann unmittelbar erfüllt würden.

Ist nicht unser Leben eine einzige Schatzkiste, randvoll mit Überraschungen – mit guten als auch mit schlechten? Vielleicht sollten wir lernen, dass auch die weniger schönen Überraschungen und Wendungen im Leben einen „Schatz“ für uns bergen können.

Hallo mein Schutzengel!

Heute war ein Tag! Ich bin völlig fertig – nicht nur körperlich, auch mit den Nerven. Dabei war ich so ruhig und voll Hoffnung, dass alles gut gehen würde. Ich stehe unter Schock. Das Gesicht meiner Kleinen werde ich nie vergessen, niemals in meinem ganzen Leben. Was muss das für ein Gefühl sein, wenn man keine Luft mehr bekommt. Schrecklich! Mein ganzer Körper schmerzt – ich habe doch heute keine Bäume ausgerissen! Doch noch viel mehr schmerzt meine Seele.

Morgen müssen wir wieder in die Klinik. Ich hasse diese Räume. Ich hasse diese blöde Chemo. Und ich habe solch eine Angst, dass die „Ersatz-Chemo“ auch nicht vertragen wird. Bitte beschütze uns morgen. Sei in Gedanken mit uns und bei uns. Danke!

Ich melde mich morgen nochmals und berichte, wie es geklappt hat.

Und so geht es weiter: Kapitel 9 Endspurt – Eine außergewöhnliche Heilung

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Kapitel 8: Aufatmen…

Aufatmen…

So wie man Wasser findet,

wenn man gräbt,

so findet der Mensch

überall das Unbegreifliche,

bald früher, bald später.

Georg Christoph Lichtenberg

Ergebnisse und Entscheidungen

Ein weiteres, wichtiges Testergebnis liegt vor. Dies wurde uns nicht „feierlich“ von Arzt zu Elternteil in einem Sprechzimmer verkündigt, sondern – Sie werden es kaum glauben – während einer Lumbalpunktion. Bei der Behandlung einer kindlichen Leukämie werden ungefähr zwölf Lumbalpunktionen gemacht. Eine bestimmte Menge Gehirnwasser[1] wird mit einer Punktionsnadel herausgeholt und die genau gleiche Menge an chemotherapeutischem Mittel (in diesem Fall „Methotrexat“) wieder zugeführt. Dabei muss das Kind mir gebeugtem Rücken auf der Kante einer Liege sitzen. Eine Schwester hält sie so fest, dass sie sich nicht mehr bewegen kann (man könnte auch liebevoll „Würgegriff“ sagen, denn dieser Griff ist oftmals schlimmer als die Punktion selbst) und der Rücken ganz rund wird. Nun, es ist eigentlich eine schnelle Angelegenheit; als Mutter sitzt man in der Hocke vor dem Kind, man hält die Hand und erzählt am besten von der Pizza, die man später essen würde. Wenn dann die Nadel eingestochen wird, ist das natürlich ein spannender Moment – denn ab und zu trifft der Arzt nicht beim ersten Mal… Nach insgesamt zehn Minuten ist alles vorbei. Das Kind muss nun flach liegen, damit sich die Chemo überall gut verteilen kann, besonders im Kopf. Nun, also während dieser doch nervenaufreibenden Prozedur, die man auch nach dem zehnten Mal nicht ruhig und gelassen macht (äußerlich natürlich schon), kommt dieser Satz:  „Sie wissen schon, dass Ihre Tochter in der Standardrisiokogruppe eingeteilt ist?“

Nun, es kam doch etwas überraschend. Ich wusste nicht, wann das Ergebnis kam. Aber es klang so, als ob es schon länger bekannt war. Um das Ganze zu deuten: Wenn es keine Komplikationen gibt und alles nach Plan läuft, dann wird man quasi so rein zufällig und auf die Schnelle informiert. Nur wenn man ins Zimmer gebeten und man zum Gespräch aufgefordert wird, dann sieht es wohl nicht so gut aus. So viel zur zwischenmenschlichen Arzt-Patienten-Kommunikation zwischen Tür und Angel.. Natürlich ist mir diese Version letztendlich lieber. Hauptsache, das Ergebnis stimmt! Aber diese Überraschungsmomente sind nicht gerade Beruhigungspillen.


[1] Gehirnwasser wird auch „Liquor“ genannt, welches ganz klar und durchsichtig wie Wasser ist. Das Gehirn und das Rückenmark „schwimmen“ im Liquor.

Und hier geht es weiter:

Kapitel 8 Aufatmen – Eine außergewöhnliche Heilung

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Kapitel 7: Wie viel Wert ist ein Mensch?

Wie viel Wert ist ein Mensch?

Die Pflegeversicherung – Neun Minuten Luxus

Gleich zu Anfang hatten wir einen Ordner und Infozeitschriften in die Hand gedrückt bekommen. Für die vielen Papiere und Kopien, Protokolle und Laborberichte. Noch eine Reihe ganz anderer Papiere waren zusätzlich zu bewältigen. Behördenpapiere. Eine Unterschrift fürs Oberschulamt, eine für das Versorgungsamt zur Einteilung in eine vorübergehende Schwerbehinderung. Ein ganz besonderes Formular ist der Bericht für den so genannten Medizinischen Dienst. Mit einem krebskranken Kind hat man Anspruch auf eine – ebenfalls vorübergehende – Pflegeversicherung der Stufe eins. Ich kannte so etwas von den Erzählungen meiner Eltern, die dies für meine Großeltern mehrmals durchgeführt hatten. Die Gesetzgebung sieht nun aber hinsichtlich der Pflegeversicherung eigentlich keinen Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen. Nun, der Termin für den Besuch der „Kontrolleurin von Minuteneinheiten“ stand bevor. Gezählt wird nämlich der minütliche Aufwand am Kind mit der täglichen Grundpflege wie Waschen, Anziehen und zur Klinik fahren. Die Tatsache, dass man eigentlich rund um die Uhr beschäftigt ist und auch in der Klinik ständig mit dem Kind zusammen ist, wird dabei nicht berücksichtigt. Ich will Sie nicht länger auf die Folter spannen: Da uns neun Minuten Pflegezeit fehlten, hatten wir die Einstufung nicht erhalten.

Soll ich Ihnen sagen, wie ich mich dabei gefühlt hatte? Nach stundenlangem verzweifeltem Heulen und Schreien und einem Gefühl, am liebsten sofort bei der Presse anzurufen, sammelte ich nach einigen Tagen wieder meine Kräfte zum Protest. Erstens werden regelmäßig Fälle abgelehnt, damit der medizinische Dienst in seiner internen Statistik „besser“ dasteht. Zweitens gibt es natürlich die Möglichkeit des Einspruchs, was aber wiederum Zeitaufwand bedeutete. Aber das tat ich doch gerne! Es kam sogar nach mehr als vier Monaten ein zweiter Gutachter. Da ging es meinem Kind wirklich sichtbar schlecht. Ich meine, es ging ihm auch beim ersten Begutachten nicht gut mitten in der Chemotherapie, aber sie konnte damals alleine eine Brezel essen und Fragen beantworten… Das heisst, es ist eben ein ständiges Auf und Ab, je nach Therapieeinheit. Wie soll ich voraussagen, wie viel Minuten ich Zeit für sie brauche, wenn der körperliche und seelische Zustand nicht immer derselbe ist? Bekommt ein Kind Cortison, mutiert es auf einmal zu einem zickigen, pubertierenden Teenager mit schlechter Laune, weil sie sich selbst nicht ertragen kann. Die Hormone beeinflussen die Gefühlslage und das körperliche (Un)-Wohlbefinden. Dann gibt es ein Mittel in der Chemotherapie, welches so die Muskeln schwächt, so dass man sie überall hin tragen muss. Ich habe sie wochenlang auf dem Sofa gewaschen und angezogen, sie überallhin getragen – besonders die Treppen hoch und runter – rundum Service.

Aber auch nach einem zweiten Gutachten fehlen uns einfach immer noch neun Minuten Pflegezeit. Würde man die Zeit dazurechnen, die ich regelmäßig im morgendlichen Berufsverkehr im Stau verbrachte, hätte ich echt gute Chancen gehabt. Aber dafür gibt es im Formular keine entsprechende Spalte.

Als Mutter bin ich es also nicht wert, wenigstens eine kleine monatliche Unterstützung für die absehbare Dauer von sechs Monaten zu erhalten. Zweihundert Euro mal sechs Monate für einen 24-Stunden-Dienst innerhalb neun Monaten. Wenn sie gut im Rechnen sind, dann wissen Sie bestimmt schon den Stundenlohn. Ich bin dies nicht und mache mir auch erst gar nicht die Mühe. Es spielt nicht die Krankheit eine Rolle, sondern die Entfernung zum Krankenhaus.

Vielleicht ist es auch gut, dass man Liebe und Zuwendung nicht in einer Maßeinheit berechnen und bewerten kann. Aber warum soll ein Popstar oder ein Profifußballer so viel mehr wert sein. Weil er mehr liebt? Weil er Höchstleistungen vollbringt?

Wie viel Wert habe ich als Mutter in dieser Gesellschaft? Ist es einfach nur Pech, dass mein Kind so krank ist? Was ist mit all den Familien, die ein chronisch krankes Kind zu Hause haben? An Mukoviszidose[1] erkrankte Kinder müssen über Jahre hinweg konsequent medizinisch betreut und liebevoll von den Eltern gepflegt werden. Sie erhalten auch keine Pflegeversicherung. Es ist nicht nur die Zeit, die Liebe und die Kraft, die man opfert – es ist auch tatsächlich eine finanziell höhere Belastung, die man offen aussprechen muss. Warum haben in unserer Gesellschaft diese Kinder und ihre Familien keine Lobby? Warum müssen private Stiftungen und Fördervereine eine Rolle einnehmen, die eigentlich in erster Linie unsere  Gesellschaft zu tragen hätte? Ich möchte diese Fragen gerne beantwortet wissen!

Als ich am Anfang der Klinikzeit öfters im Foyer unterwegs war, um meinen Füßen Auslauf zu gönnen und mich im Kiosk mit Cappuccino und Zeitschriften zu versorgen, fiel es mir wie Schuppen vor die Augen: So viele chronisch kranke Kinder (mit Herzkrankheiten, Diabetes, körperliche und geistige Behinderungen u.v.m.) kommen hier her, die ständig und über lange Zeit in die Klinik müssen. Wenn mein Kind die Leukämie überlebt, dann ist sie irgendwann einmal so gesund, dass wir nicht mehr in die Klinik müssen. Eine Welle von Dankbarkeit durchströmte mich. Und gleichzeitig eine Wut auf das „System“ Sozialversicherung und auf die Ungerechtigkeiten auf dieser Welt. Ich will nicht emanzipatorisch sein, aber ich denke einfach, dass „Männer“ (oder das Männliche in uns Menschen) oftmals solche Entscheidungen treffen – und Frauen (oder das Weibliche in uns) sie schließlich „ausbaden“ müssen. Gerade im Dienstleistungsbereich sind fast nur Frauen beschäftigt und dies oftmals zu sehr niedrigen Löhnen.

Es müssen also gerade die Menschen mit unglaublicher Kraft und Durchsetzungsvermögen kämpfen, die sowieso schon am Rande ihrer Möglichkeiten sind. Das macht in meinen Augen keinen Sinn. Die gesunden Menschen müssen sich für die Kranken einsetzen und in dieser Hinsicht eine faire Welt schaffen.

Aus diesem Blickwinkel heraus beruhige ich meine Nerven und wünsche mir von ganzem Herzen, dass wenigstens ein anderes krankes Kind die Pflegestufe eins erhalten wird.

Hallo, lieber Schutzengel!

Frust hoch drei! Es ist kaum zu glauben. Warum muss ich um ein kleines Stückchen Recht so kämpfen? Warum muss ich so viel meiner kostbaren Kraft aufwenden, um ein bisschen weniger Sorgen zu haben? Ich fühle mich ungerecht behandelt. Und das alles macht mich so unendlich wütend, fast aggressiv.

Wie viel Wert habe ich als Mutter in unserer Gesellschaft? Wie wird dieser Wert berechnet, wie wird er entlohnt?

Ich weiss, ich habe wieder so viele Fragen und verlange von Dir die Antworten. Wenn ich noch ein bisschen mehr Energie in mir hätte, würde ich politisch aktiv werden, damit sich etwas ändert.

Natürlich will ich nicht undankbar sein. Ich bin sogar voller Dankbarkeit über den momentanen gesundheitlichen Zustand und die Prognosen.

Ich bin auch über jegliche Unterstützung seitens der Familie und den Freunden glücklich. Aber ärgern tut es mich trotzdem. Es ist eben ein ohnmächtiges Gefühl, was in mir wütet. Und Ohnmacht erzeugt Ärger und Hoffnungslosigkeit.

Beruhige mich bitte ein wenig und sende mir eine Kiste Schokolade, damit in meinem Gehirn ein Serotoninausstoß für unglaubliche Glückgefühle sorgt. Das wäre prima!

Bis dann und Danke!

Und so geht Kapitel 7 weiter: Kapitel 7 Wie viel Wert ist ein Mensch – Eine außergewöhnliche Heilung


[1] Mukoviszidose oder auch Zystische Fibrose ist eine genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung.

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Kapitel 6: Engel treten in unser Leben

Die Engelsprechstunde

Endlich war der Tag gekommen, an dem wir die lang ersehnte Bekanntschaft mit unserem „Engeldoktor“ machen durften. Ist es nicht eine wunderschöne Bezeichnung für einen Menschen in einem therapeutischen Beruf? Eigentlich müsste man ganz korrekt „Engeldoktorin“ sagen. Aber da kommt eben die Gewohnheit ans Licht, Ärztinnen bzw. Frauen mit einer „männlichen“ Form zu benennen.

Der Begriff stammt übrigens von meiner Tochter, die dies nach dem Besuch bei ihr mit einem Wort sehr treffend ausdrückte.

Über diese Arbeit möchte ich gerne an dieser Stelle berichten. Ein Interview mit der Heilpraktikerin Jutta Ingrid Thomke gewährt uns einen tiefen Einblick in die Welt der menschlichen Seele.

…Interview mit Jutta Ingrid Thomke – Heilpraktikerin

„Der Mensch ist ein Seelenwesen“

Dieses Interview über Ihre therapeutische Arbeit ist für mich persönlich das Herzstück – dies wurde mir im Laufe der Entstehung des Buches immer klarer. Schon zu Anfang des Schreibprozesses habe ich ganz intuitiv das Kapitel „Engel treten in unser Leben“ in die Mitte des Buches gesetzt. Und umso schöner, dieses Interview in der Spirituellen Buchhandlung von Bernd Kiederer  in Stuttgart führen zu dürfen.

In der Vorbereitung zu diesem Interview erinnerte ich mich nochmals sehr intensiv an den Tag, als wir mit Celine zu Ihnen in die Praxis kamen. Vier Wochen Chemotherapie hatten wir zu diesem Zeitpunkt hinter uns gebracht.

Wie haben Sie damals Celine wahrgenommen beziehungsweise was haben Sie an Ihr wahrgenommen?

Als wir uns begrüßt hatten, fiel mir bei Celine zum einem eine große innere Stärke auf, die sie besitzt. Das hat mich auch gleich bestärkt, dass dies ein großes Potential ist, durch die Krankheit hindurchzugehen. Das andere, was mir auffiel, war wie ein großer Schatten in ihrer Aura. Es gab einen Bereich, in dem die Farben sehr matt,
d. h. nicht strahlend leuchtend und zum Teil auch gar nicht vorhanden waren. Es war wie ein gräulicher Schleier, der ziemlich ausgedehnt war. Dies zeigte mir auch, dass die Erkrankung schon sehr massiv war und schon einen großen Teil des Körpers erfasst hatte. Leukämie ist ja nun auch eine generalisierte Krankheit, also den ganzen Körper eines Menschen erfassend. Insofern wusste ich auch sofort, dass die Situation heftig war, dass die Krankheit eine große Prüfung sein würde, aber dass auch, dass ein Teil dieser Erkrankung eine Botschaft an die Umwelt (insbesondere die Familie) war und ist.

Wie genau kann man sich diesen Schatten in der Aura vorstellen?

Von meiner Perspektive aus betrachtet, war dieser Schatten an ihrer linken Hälfte des Körpers, versetzt vom Scheitel bis hinunter in den Beckenbereich sichtbar. Vergleichbar mit einem grauen, schweren Nebel.

Hat dies eine Bedeutung, dass es nur auf der linken Seite war?

Man kann schon Aussagen darüber machen, warum ein Schatten an der einen oder anderen Stelle auftritt. Aber was mir ins Auge sprang, war eine Massivität der Erkrankung, deren Schwingung durch viele Lichtkörper hindurch ging.

Obwohl zu diesem Zeitpunkt ja rein „messtechnisch“ die Leukämie zu einem großen Teil bekämpft worden war?

Ja, messtechnisch schon. Aber im energetischen Bereich nicht. Und es waren sicher auch die Schwingungen der Chemotherapie, die da sichtbar geworden sind. Wobei sie den kleineren Anteil ausmachten. Natürlich könnte man dies im Bedarfsfall noch genauer „abfragen“.

War auch in der Mutter-Kind-Bindung für Sie etwas sichtbar, was unter „normalen“ Umständen vielleicht nicht so in dieser Weise offensichtlich gewesen wäre?

Sichtbar war natürlich die starke energetische Bindung, die sie beide buchstäblich miteinander verbindet, vergleichbar mit einem Lichtstrahl, in dem die Liebe, Gedanken und Gefühle füreinander fließen. Und natürlich die besonders große Liebe. Dies war schon eine ganz besondere Qualität. Auch Ihre persönliche Suche nach dem „Warum“ und das Thema des „Loslassens“, da es sich bei Ihrer Tochter um eine lebensbedrohliche Erkrankung handelte, waren zu spüren.

Zudem war der enorme energische Einsatz Ihrerseits zu sehen, durch die Situation mit Ihrer Tochter gemeinsam ganz entschlossen hindurchzugehen und alles Menschenmögliche zu tun und auch Übermenschliche möglich zu machen, um die Krankheit zu überwinden. Celine zeigte mir auch eine große Bereitschaft, diesen Weg mitzugehen.

Den Menschen umgibt eine Aura[1], genauer sieben Energiekörper – jede davon ist mit einem der sieben Chakren verbunden.

Die Aura besteht aus sieben Lichtkörpern. Die Aura entsteht, in dem das göttliche Licht in den Menschen einströmt und sich in den Körperzellen, die zum Großteil aus Wasser bestehen, bricht. Darum entstehen auch die Regenbogenfarben der Aura (ähnlich wie bei der Entstehung eines Regenbogens). Die Aura ist die Lichtausstrahlung unserer Seele. Wenn man in Harmonie und gesund sowie in seiner Entwicklung fortgeschritten ist, sollten alle Regenbogenfarben in der Aura vorhanden sein. Der Mensch hilft sich oft dadurch, dass er fehlende Farben durch die entsprechende Kleidung ausgleicht und damit praktisch die Farbschwingung in seinen Energiebereich holt. Es ist deshalb auch wichtig, dass man nicht „mit der Mode geht“, sondern den Mut hat, sich vor seinen Kleiderschrank zu stellen und intuitiv zu fühlen, welche Farbe jetzt beziehungsweise heute gut tut. Dies ist meistens genau die Farbe, die im Auraspektrum fehlt. Die Farbe wirkt auf den Körper des Menschen mit seiner Schwingung und bringt so den Ausgleich zur Harmonie. Ebenso wirken Farben intensiv auf die Seele und den Geist.


[1] Das menschliche Energiefeld, auch Aura oder Lichtkörper genannt, umgibt und durchdringt den Menschen. Sie ist die Manifestation der universellen Energie auf der menschlichen Ebene. Je nach Alter, Gesundheitszustand und geistiger Verfassung ändert sich die Erscheinungsform der Aura.

Und so fängt das Engelkapitel an bzw. geht das Interview weiter:

Kapitel 6 Engel treten in unser Leben – Eine außergewöhnliche Heilung

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Kapitel 5 Der Alltag

Der Alltag

Wie es so geht mit der „Chemo“

Eigentlich sieht die Chemo schön bunt aus – zumindest einige davon. Ein Mittel ist orange eingefärbt, das andere pinkfarben. Ob damit die Kinder ein wenig aufgeheitert werden sollen? Ob die Chemo damit den Anschein des Fröhlichen haben soll? Nun, die Farbe kommt dann ein paar Stunden später auf der Toilette wieder heraus. Erhöhter Spaßfaktor!

Über die Heftigkeit und Giftigkeit der Chemo habe ich ja schon geschrieben. Ich möchte gerne auf das Gegenteil von heftig und giftig kommen – nämlich sanft und ungiftig – harmlos.

Ich frage mich heute, ob es nicht gerade die Farbe ist, die die Wirkung ausmacht. Wie Farben auf unseren Körper wirken, ist schon lange erforscht und bekannt. Stellen Sie sich vor, die Ärzte und Schwestern hätten alle rote Kittel an. Das wäre ja kaum auszuhalten. Da würden alle mit der Zeit total aggressiv herumlaufen. Letztlich war es mir auch egal, welche Farben die einzelnen Mittel hatten. Das Wichtigste war für mich, dass sie ihre Aufgabe erfüllten und keinen größeren Schaden anrichten konnten. Es reicht mir schon, den Beipackzettel der Medikamente zu lesen, die zusätzlich eingenommen werden müssen – bis heute noch. Da machte ich über Jahre einen weiten Bogen um Antibiotika und andere chemischen Mittel und nun befindet sich in meiner Küche eine halbe Apotheke.

Gerade bei einer solchen Therapie wird deutlich, was chemische Mittel im Körper eigentlich sichtbar und unsichtbar bewirken. Klar, sie haben ihre wohl durchdachte Wirkung und ihre Funktion, die sie erfüllen müssen. Aber genau diese Wirkung hat eben als blinder Passagier eine oder mehrere Nebenwirkungen. Das bleibt nicht aus. Oftmals sind die „Nebenwirkungen“ schlimmer als die gewünschten Wirkungen. Die Stoffe müssen im Körper verstoffwechselt werden. Dazu müssen Niere und Leber besonders gut arbeiten. Chemotherapie greift diejenigen Zellen im Körper an, die einen besonders schnellen Stoffwechsel haben. Das sind Krebszellen – und auch die Hautzellen. Darum fallen die Haare aus, auch die Wimpern und sind die Schleimhäute von Darm und Mund gereizt oder entzündet. Manchmal funktioniert der Darm nicht mehr, dann gibt es Abführmittel. Manchmal haben Antibiotika zu Durchfällen geführt, dann musste noch ein Antipilzmittel zugeführt werden. Wo ist da das Ende in Sicht? Aber das ist die Realität. Besser, man ist unabhängig von Mitteln, die bei ständigem Gebrauch andere Mittel wieder notwendig machen. Der Körper verzeiht das langfristig nicht! Aber es gibt eben auch Situationen im Leben eines Menschen, wo es lebensrettend und überaus sinnvoll ist.

Der Placeboeffekt

Nun zu den „harmlosen“ Mitteln: Interessant und durchaus ernst zu nehmen sind Ergebnisse der Erforschung des so genannten „Placeboeffekts“. Und bitte, lachen Sie mich nicht aus, wenn ich beim Thema Chemotherapie das Wort „Placebo“ gleichzeitig denke und schreibe.

Im Grunde genommen geht es um das bestgehüteste Geheimnis einer Heilung, der man auf die Spur kommen möchte. Man sucht Antworten auf die Frage: „Was, wie und warum geschieht Heilung?“ Medikamente wirken ja nicht bei jedem immer gleich, egal ob es sich um eine Kopfschmerztablette handelt oder ein Zell tötendes chemotherapeutisches Mittel. Bleiben wir doch beim Kopfschmerz: Bei nicht mehr auszuhaltendem Schmerzempfinden kann man theoretisch verschiedene Methoden anwenden, sie wieder los zu werden. Man kann im Wald spazieren gehen, Yogaübungen praktizieren, Pfefferminzöl auf die Schläfen reiben, richtig tief einatmen oder –  eine Kopfschmerztablette einnehmen. Dabei geht man in die Apotheke oder zum eigenen Arzneivorrat. Man wählt bewusst die richtige Tablette aus, liest vielleicht noch den Beipackzettel oder lässt sich beraten. Das Bewusstsein registriert, dass diese Tablette extra für Schmerzen geeignet ist. Man nimmt die Tablette und im Körper laufen im Stillen Prozesse ab, die meistens auch zu einer Besserung führen. Dabei spielt das Wissen und das Vertrauen in die pharmakologische Forschung eine entscheidende Rolle, die aber „nur“ das Unterbewusstsein wahrnimmt. Man nennt dies auch die „Kraft der mentalen Erwartung“.

In dem Buch „Der Placebo-Effekt“[1] werden zahlreiche Studien und Forschungsergebnisse vorgestellt, die bei genauem Hinsehen wirklich erstaunlich sind und mich zum Nachdenken anregen.

Allein schon der Gedanke „Chemo“ ließ ja in meinem Kopf folgende Bilder ablaufen: „Übelkeit, Kotzerei, Haarausfall, Abmagerung, Organschädigungen…“ Auf der anderen Seite. „Vernichtete Krebszellen, sehr starkes, heftiges Mittel, hohe Wirksamkeit, gefährlich und ziemlich giftig…“.

Dies wurde noch verstärkt, da die Chemo zum Beispiel von den Krankenschwestern nicht mit „Samthandschuhen“, aber mit dicken, blauen Gummihandschuhen (Solche, wie man sie zum Hausgroßputz verwenden würde) angefasst und aufgehängt wurde. Sollte etwas „daneben“ laufen, sind sie so geschützt. Eigentlich hätten meine Tochter und ich sogar noch 24 Stunden nach der Chemogabe beim Gang auf die Toilette Handschuhe anziehen sollen, denn im Urin finden sich dann die Abbauprodukte, die Reste der Chemo. Über die Herkunft eines bestimmten Mittels habe ich erst vor kurzem erfahren: Es ist ein „Zufallsprodukt“ [2]aus dem ersten Weltkrieg…Cyclophosphamid.

Auf jeden Fall spielt die eigene Erwartungshaltung eine große Rolle. Da man darüber aufgeklärt wurde, dass diese Form der Chemo in diesem Stadium diese Wirkung erzielt, hat man Vertrauen und eben die Erwartung einer Erfüllung. Anders ausgedrückt: Würden die Ärzte sagen, dass sie sich nicht sicher sind, ob das Mittel anschlagen könnte, wären Sie sich bestimmt auch nicht so sicher und würden der Sache sehr skeptisch und mit einer geringeren Erwartung gegenübertreten. Dies könnte laut Forschungsergebnissen die Wirkung auf negative Weise verändern – auch wieder unbewusst!

Was ein Placebo und was der Placebo-Effekt ganz genau sind und welche wissenschaftlichen Versuche und Studien unternommen worden sind, wird in dem oben genannten Buch sehr gut beschrieben. Nur eine kurze Definition: Ein Placebo ist ein Hilfsmittel, welches in der medizinischen Forschung einen Prozess nachahmen soll. Das Placebo besitzt keine erwiesenen heilenden Eigenschaften.

Der Placebo-Effekt ist die Veränderung im Körper aufgrund einer symbolischen Bedeutung, die man einem Ereignis in einem heilenden Zusammenhang zuschreibt.

Mir persönlich gefällt die Tatsache gut, dass ein Placebo im Körper eines Menschen genau wie ein Medikament wirken kann. Die Abläufe im Körper sind exakt dieselben – sie wirken so auf einem Weg. Dem körpereigenen Weg.

Hierfür ist die „innere Apotheke“ eines Menschen verantwortlich. Eigentlich schön, dass wir eine hauseigene Apotheke besitzen. Ja, es ist tatsächlich so. Egal, für welche Therapieform Sie sich letztendlich entscheiden – es ist ihre eigene innere Apotheke, die die Heilung veranlasst. Ein Beispiel: Fieber und Spucken sind Reaktionen ihrer inneren Apotheke auf Eindringliche wie Bakterien und Viren, die nichts in Ihrem Körper verloren haben. Die innere Apotheke kann somit durch die Herstellung vieler verschiedener Körper eigenen Substanzen selbst eine Wiederherstellung bewerkstelligen. Oft braucht diese Apotheke jedoch einen Anschub von außen.

Im Rahmen der vielen Untersuchungen über die Wirkungsweise von Placebos hat man aber auch noch andere Aspekte herausgefunden, die an einer Heilung beteiligt sind. Und ich freue mich sehr, darin große Übereinstimmungen mit Dr. Bernie Siegel, mit dem Dalai Lama und vielen mehr zu entdecken:

Die heilende Kraft der Beziehungen spielt dabei eine immense Rolle.

Wenn wir krank sind, neigen wir dazu, uns abzuschotten

und anderen nichts davon zu erzählen.

Aber ich glaube nicht, dass wir uns in eine Höhle verkriechen

und alleine gesund werden können.

Die Heilung ist eine wundersame gemeinschaftliche Erfahrung.

Ich glaube, sie ist ebenso ansteckend wie eine Infektion.

Marc Ian Barasch

Mit Anschluss an die menschliche Gesellschaft und sich wohlbehütet und aufgefangen zu fühlen, hat große heilende Kraft für den kranken Menschen. Erfährt man echte Fürsorge und Anteilnahme, sind die Weichen für eine Heilung richtig gestellt.

Somit wird Heilung zu einer gemeinschaftlichen Erfahrung – für alle Beteiligten!

Auch eine gute Partnerschaft mit dem Arzt sowie ein positiv verlaufendes Gespräch sind wichtige Voraussetzungen zur Aktivierung der inneren Apotheke.

Und so geht es weiter: Kapitel 5 Der Alltag – Eine außergewöhnliche Heilung


[1] Howard Brody, Daralyn Brody, „Der Placebo-Effekt“ – Die Selbstheilungskräfte unseres Körpers, 2002, dtv

[2] 1942 wurde sog. „Stickstoff-Lost“ als erstes Zytostatikum eingesetzt. Seine Derivate finden sich heute zum Beispiel in dem Wirkstoff „Cyclophosphamid“ (Handelsname „Endoxan“). Meine Tochter hat dieses Mittel insgesamt drei Mal erhalten.

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Kapitel 4 Dritter Teil Eine außergewöhnliche Heilung

Meditation findet die Mitte

Wir müssen nur bitten,

um direkte Hilfe zu erhalten.

Und doch ist Bitten das, was uns am schwersten fällt.

Sogyal Rinpoche

Was ist eigentlich Meditation?

„Meditation ist eine bestimmte Lebensweise und die Fähigkeit, Achtsamkeit als Eigenschaft des eigenen Lebens zu verallgemeinern“ – sagt Jon Kabbat-Zinn[1] im Rahmen der oben genannten „Mind-and-Life Konferenz“ mit dem Dalai Lama.

Mir gefällt dafür das Wort Achtsamkeit gut. Da steckt Acht geben, aufpassen, Fürsorge und Sorgfalt dahinter. In erster Linie zu sich selbst. Natürlich auch zu seinen Mitmenschen und gegenüber der Schöpfung. Meditation ist das Beschreiten eines Weges ohne konkretes Ziel, das heisst, ohne das Ergebnis der Meditation ganz genau zu kennen. Betreibt man regelmäßig eine Sportart, dann tut man dies oft zielgerichtet – Kondition und Muskelaufbau wollen erreicht werden.

Das Schöne an der Meditation oder Achtsamkeit ist, dass es eine Methode und keine Ideologie ist. Damit findet man Harmonie mit sich und der Welt, erlebt die Fülle des Lebens, eine innere Stille und Offenheit. „Wo Achtsamkeit ist, sehen wir das Unsichtbare, dort hören wir das Ungesagte, dort verstehen wir Zusammenhänge auf einen Blick“. So definiert es Günter Harnisch in seinem Buch „Sieben Tage Achtsamkeit“[2].

In der Meditation geht es also um das ruhig werden, innehalten, auf sich selbst hören. Seinen eigenen Herzschlag wieder wahrnehmen. Zu sich selbst finden. Im Lärm und Chaos kann niemand zu sich selbst finden. In der Hektik einer Klinik leider auch nicht!

Es ist ein ohnmächtiges Gefühl, etwas Bestimmtes erreichen zu wollen, sich aber immer wieder erbarmungslos im Kreise zu drehen, als ob man sich auf einer niemals endenden Achterbahnfahrt befinden würde. Gerade dann, wenn eine Meditation, eine Stille oder ein „in sich ruhen“ so notwendig wäre, ist es nicht oder nur schlecht möglich. Dies können äußere Umstände sein wie Lärm und Unruhe. Die inneren Umstände sind jedoch am schwersten zu überwinden. Wenn man den Kopf voller Sorgen und Ängste hat und unzählige Gedanken und Schreckensbilder im Kopf herumschwirren, dann findet man keine Ruhe. Es ist sicher auch die Angst, in seinem Innersten anzukommen und dort nur Schmerz, sogar unendlichen Schmerz vorzufinden. In solchen Momenten will man sich nur noch selbst schützen. Auf der anderen Seite kann es sehr hilfreich sein, Ängste und Kummer zuzulassen, um sie dann wieder loszulassen, damit Kraft und Mut Einzug halten können. Ja, ich weiss, das schreibt sich so leicht und ist doch so schwer!

Aber vielleicht würde es sich lohnen und man würde in sich das Unsichtbare sehen und das Ungesagte hören – und v e r s t e h e n.

So kann aus der Achterbahn eine heilsame und wohltuende Spirale werden.

Dabei ist Meditation tatsächlich heilend. Medizin und Meditation kommen von demselben Wortstamm. Lateinisch „meditatio“ bedeutet „das Nachdenken über“ beziehungsweise „medius“ heißt „die Mitte“. Was haben sie gemeinsam? Medizin heilt den Körper, also das Physische, die Meditation heilt die Seele. Beides sind somit gleichberechtigte heilende Kräfte.[3] Und beide heilen am Ende gemeinsam den Menschen.

Hallo Schutzengel!

Heute hätte ich echt alles kurz und klein schlagen können. Nachdem ich permanent über Stunden entweder mit dem Kinderprogramm im Fernsehen oder mit Videos oder Kassettenhörspiele „gequält“ worden bin, musste ich mal kurz meinen Frust bei den Krankenschwestern ablassen. Ich kann ja nicht stundenlang auf dem Flur spazieren gehen, ich muss ja bei meiner Tochter im Zimmer bleiben. Aber bei diesem Lärm kann ich nicht einmal ein Buch lesen. Und meine Kleine kann diese Dauerlärmberieselung ebenso wenig ertragen. Aber das Nachbarskind und seine Mutter sind ziemlich unberührt von unseren Reaktionen. Ich schaffe es nicht zu sagen, dass sie einfach mit uns absprechen sollten, wann und vor allem was sie sehen oder hören wollen. Wir wollen doch einfach nur Ruhe. RUHE! Ich bin so aggressiv geworden, dass ich mich wirklich in eine Ecke auf der Station zurückgezogen habe und völlig erschöpft und stumm dasaß. Das war definitiv zu viel des Guten!

Und ich sollte wohl lernen, meine eigenen Bedürfnisse klar zu artikulieren! Warum soll eigentlich immer nur ich Rücksicht nehmen? Wir durchleben doch alle dieselbe Situation. Da wäre doch Rücksichtnahme und Toleranz angesagt. Aber anscheinend gibt es eben Zeitgenossen, die immer zuerst sich selbst sehen.

Was soll ich nur tun? Gib mir doch einen Rat! Noch zwei Tage werde ich ausharren müssen! Ich bekomme noch Platzangst und eine Tobsuchtsanfall!

Danke, dass Du heute meine Wut und meinen Zorn ertragen hast! Danke! Ich werde Dir dann weiter berichten. Gute Nacht!

Ich habe mir auf der Station oft gewünscht, dass ich die Möglichkeit zu einer geführten Meditation erhalten hätte. Dass mich jemand an der Hand genommen und zur inneren Stille verholfen hätte. Meine Tochter war  – wie meist – ein bisschen schlauer: Sie hat zu einem bestimmten Zeitpunkt der Therapie viel Meditationsmusik gehört. Sie hatte eine ganz bestimmte CD, von der sie zuerst alle Stücke und später nur ein einziges Lied immer wieder gehört hatte. Dies war in einer Phase, in der ihr Körper wirklich viel Ruhe benötigt hat, außerdem hatte sie eine Infektion und zu Anfang auch hohes Fieber. Es ging ihr sehr schlecht und war an einem wirklichen Tiefpunkt – so wie ihre verheerenden Blutwerte. Beim Hören der Musik liefen ihr jedes Mal die Tränen über das Gesicht, aber sie weigerte sich, das Gerät auszuschalten. Nein, sie wollte es immer und immer wieder hören. Stundenlang. Ich konnte es nicht mit ansehen, wie sehr sie litt. Es zerbrach mir das Herz. Nach und nach löste sich aber die Anspannung und sie schlief auch dabei ein. Nach ungefähr drei Wochen war das Thema „Meditationsmusik“ erledigt und ich durfte die CD nicht einmal in ihre Blickrichtung legen, geschweige denn selbst anhören. Diese Musik war sicher wie ein heilsames „Mantra“ für sie. „Mantra“[4] kommt aus dem Sanskrit und bedeutet wörtlich „Instrument des Denkens“. Bei der Meditation mit einem Mantra wird eine kurze Wortfolge wiederholend gesungen, gesprochen oder auch nur in Gedanken ausgesprochen. Das „Halleluja“ oder „Amen“ aus der christlichen Tradition sind sicher jedem bekannt! So hat eben jede Religion ihre eigenen Mantren – und das ist gut so.

Ich bin davon überzeugt, dass diese Musik und diese Schwingungen in diesem Moment heilende Wirkungen auf ihren Körper und ihre Seele ausgeübt hatten. Und nach dem Erfüllen der „Mission“ war es dann auch gut für sie.

Noch heute mache ich selbst einen weiten Bogen um diese bestimmte CD. Die Erinnerung an diese Zeit schnürt mir die Kehle zu und ich könnte es nicht ertragen, daran durch die Musik erinnert zu werden. Aber es gibt ja noch andere gute Musik…

Und so geht es weiter:

Kapitel 4 Dritter Teil


[1] Jon Kabbat-Zinn unterrichtet an der „Stress Reduction Clinic“ der University of Massachusetts Achtsamkeitsübungen. Er ist auch Autor vieler Bücher zum Thema Meditation und Achtsamkeit.

[2] Günter Harnisch, Sieben Tage Achtsamkeit, Freiburg 2005, Herder Spektrum

[3] Vgl. OSHO, Das Buch der Heilung, Von der Medizin zur Meditation, 2004 Berlin, Ullstein

[4] Die Silbe „man“ bedeutet „Denken, Fühlen, Verstand“ und die Silbe „tra“ bedeutet „schützen“.

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